Zwölf der 16 gestarteten Segler sind beim McIntyre Golden Globe Race 2026 noch in der Hauptwertung – nach fast 60 Tagen und bis zu 8.000 Seemeilen auf See. Am 3. November passierte Damien Guillou auf seiner Rustler 36 Solarem als erster Skipper den Längengrad des Kaps der Guten Hoffnung. Drei Stürme innerhalb von zehn Tagen stellten die Flotte auf dem Weg in den Südlichen Ozean auf die Probe.
Die Segler waren am 6. September in Les Sables-d’Olonne gestartet. Nach der Überquerung des Äquators und der Fahrt durch den Südatlantik liegen für viele noch rund 20.000 Seemeilen bis zum Ende der Weltumsegelung vor ihnen. Es folgen der Indische Ozean, die Große Australische Bucht, der Pazifik und Kap Hoorn.
Drei Stürme und gemeldete Winde über 60 Knoten
Drei schwere Wettersysteme trafen unterschiedliche Teile der Flotte. Für einige Gebiete waren Böen von 70 Knoten oder mehr vorhergesagt. Daniel Pinsky meldete auf seiner Baba 35 Exodus Wind von über 60 Knoten. Er steuerte unter Topp und Takel von Hand, während brechende Seen seine Windsteueranlage und Beschläge für die Sturmsegel beschädigten.
Anschließend stieg Pinsky in den Mast, um ein verlorenes Sturmfockfall zurückzuholen. Am 30. Oktober meldete er, dass Exodus repariert sei und wieder gut segele. Henry Wootton erlebte auf Privateer wiederholt brechende achterliche Seen; eine davon drückte Wasser durch den Niedergang. Etienne Messikommer berichtete von mehr als 40 Knoten auf Bernard, den größten Wellen seines Lebens und seinem ersten gesichteten Albatros.
Video: Rückblick auf Woche 8 des Golden Globe Race 2026
Guy deBoer muss nach Verletzung aufgeben
Am 4. November erklärte die Wettfahrtleitung Guy deBoer auf ärztlichen Rat für nicht mehr fähig, die Veranstaltung fortzusetzen – auch nicht in der Chichester-Klasse. Bei einem heftigen Sturz unter Deck der Spirit hatte er das Bewusstsein verloren und eine Kopfverletzung sowie weitere Verletzungen erlitten, die Arbeiten an Deck erschwerten.
DeBoer hatte seine Reise nach umfangreichen Reparaturen auf Lanzarote wieder aufgenommen. Zum Zeitpunkt dieses Berichts vom 5. November befand er sich weiterhin an Bord und erhielt Wetterberatung, während ein sicheres Ziel gesucht wurde.
Auch Pat Lawless ist ausgeschieden: Eine Havarie am Solent-Rigg beendete am 17. Oktober seine Teilnahme. Louis Kerdelhué gab in Recife auf, nachdem ihn die Flautenzone am Äquator körperlich stark erschöpft hatte.
Guillous Meilenstein mit traditioneller Navigation
Den Längengrad des Kaps der Guten Hoffnung zu passieren, hat für Guillou eine besondere Bedeutung: In diesen Gewässern endete sein Rennen 2022. Diesmal führt Solarem die Flotte nach Osten in den nächsten Abschnitt der Reise.
Beim GGR segeln kleine, traditionelle Langkielyachten mit Papierseekarten, Sextant und Windsteueranlage, ohne moderne elektronische Navigation. Eine Weltumsegelung kann etwa 240 Tage dauern. Materialpflege und Ausdauer spielen deshalb eine entscheidende Rolle.
Die Belastung des Alleinseins
GGR Window LIVE ermöglicht Einblicke in den Bordalltag durch eine Übertragung nur in eine Richtung. Die Skipper erhalten dadurch weder normalen Internetzugang noch die Möglichkeit, mit Zuschauern zu sprechen. Ertan Beskardes teilt auf Miss Beagle lange Gedanken, während Gunnar Christensen auf Pompoen seine Entscheidungen zum Reffen laut abwägt. Reparaturen, Müdigkeit und Zweifel gehören ebenso zu diesen Einblicken wie das Segeln selbst.
Rumpfbewuchs und schwierige Routenentscheidungen
Unter den Verfolgern musste Andrea Lodolo mit BiBi zunächst nach Westen segeln, um mit einem ungünstigen Tief zurechtzukommen, bevor er wieder nach Osten drehen konnte. Matt Woodside sucht mit Tipi Haere weiter südlich stärkeren Wind und nimmt härtere Bedingungen in Kauf, um Konkurrenten zu überholen.
Isa Rosli hat stundenlang im kalten Wasser den Bewuchs von Olleannas Rumpf gekratzt, um wieder mehr Fahrt zu machen. Das erinnert an Jeremy Bagshaw auf derselben Yacht bei der Ausgabe 2022: Starker Bewuchs zwang ihn zu einem Stopp in Hobart und zum Wechsel in die Chichester-Klasse.
Während der Großteil der Flotte noch auf die Roaring Forties zusteuert, werden die kommenden Monate Boote und Skipper gleichermaßen fordern. Den Fortschritt zeigt der offizielle Live-Tracker; Entwicklungen und Entscheidungen stehen in der Chronik des Rennens.
Weitere Informationen bietet die offizielle Website des Golden Globe Race.
Titelbild: eine fünf Meter hohe Welle, gesehen von Damien Guillous Solarem in GGR Window LIVE am 29. Oktober 2026. © GGR 2026.